Haus F

RESIDENTIAL, COMPLETED, NEW BUILDING

Das Haus für eine junge Familie entwickelt seinen Grundriss aus den spezifischen Qualitäten des Grundstücks.

Drei fingerartige Grundrisszonen vernetzen das Gebäude aktiv mit seinen Außenbereichen und schaffen dabei eigenständige Teilbereiche mit tageszeitenabhängig unterschiedlichen Aufenthaltsräumen.

Die Fassadengestaltung korrespondiert folgerichtig mit den drei Grundrissfingern und unterstützt aktiv den Innen- und Außenbezug. Im Inneren entstehen fließende Raumfolgen mit wechselnden Perspektiven und Sichtbezügen. Das von oben belichtete Treppenhaus übernimmt eine zentrale Erschließungsfunktion und verbindet als räumliches Drehkreuz alle Bereiche und Ebenen. Das überhöhte Wohnzimmer bildet das soziale Herzstück des Hauses. Hier docken sowohl die Küche im Erdgeschoss als auch das Arbeitszimmer aus dem Obergeschoss an – eine vertikale Raumbeziehung, die räumliche Tiefe verleiht.

Die Materialwahl folgt konsequent dem Prinzip der Trennbarkeit und Wiederverwertbarkeit. Die Fassade ist als recycelfähige Blechbekleidung ausgeführt, die die räumliche Gliederung auch von außen ablesbar macht. Sämtliche Dämmebenen sind mineralisch angelegt – eine Entscheidung, die nicht nur bauphysikalisch überzeugt, sondern vor allem eine spätere sortenreine Trennung der Bauteile ermöglicht und damit auf den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes einzahlt. Im Innenraum tritt dem metallischen Außenbild ein warmer, holzdominierter Materialkanon gegenüber: Holz prägt als vorherrschendes Material die Oberflächen und verstärkt die atmosphärische Differenzierung zwischen den fließenden Raumfolgen. Wirtschaftlich wie gestalterisch verfolgt Haus F dabei einen langfristig angelegten Ansatz.

Die bauliche Sonnenschutzkonstruktion, die in die Fassade integriert ist, reduziert den sommerlichen Wärmeeintrag passiv und senkt so den Bedarf an aktiver Kühlung. In Verbindung mit der mineralischen, sortenrein trennbaren Dämmung entsteht ein Gebäude, das Energieeffizienz nicht additiv über Technik, sondern strukturell über Konstruktion und Materialwahl erreicht – und damit gleichzeitig die Voraussetzung für eine spätere Rezyklierfähigkeit der Baustoffe schafft.

Die städtebauliche Positionierung des Hauses auf dem Grundstück ist zugleich der Ausgangspunkt des architektonischen Konzepts: Das Haus fügt sich so nicht additiv in den Kontext ein, sondern entwickelt seine Form aus ihm. Die eigentliche Innovation von Haus F liegt dabei in eben dieser städtebaulichen Positionierung selbst: Anstatt einer konventionellen, introvertierten Setzung auf dem Grundstück entstehen durch die fingerartige Ausrichtung neue, klar differenzierte Raumqualitäten im Außenraum – Bereiche mit jeweils eigenem Licht-, Schatten- und Nutzungscharakter, die dem Haus eine über die reine Kubatur hinausgehende räumliche Vielschichtigkeit verleihen.

Photos: Nils Koenning

Completion: 2006

Emsdetten